Ein Mangel an zuverlässigen Informationen – gepaart mit einem wachsenden Bedürfnis nach Orientierung bei Vergiftungsgefahren – führte 1966 zur Gründung des Schweizerischen Toxikologischen Informationszentrums, seit 2015 Tox Info Suisse. Bevor es das Gifttelefon gab, fehlte vor allem eines: verlässliches Wissen im entscheidenden Moment.
Cornelia Reichert, leitende Ärztin, beschreibt, wie dieses gesammelte Wissen die Behandlungsmethoden verändert hat: «Das systematische Sammeln von Wissen hat die Dekontaminationsrichtlinien wesentlich geprägt. Früher wurden bei vielen Vergiftungen Magenspülungen durchgeführt. Heute raten wir in der Schweiz fast ausnahmslos von dieser Methode ab, da sie für die Patientinnen und Patienten mit erheblichen Risiken verbunden ist. Später wurde diese Dekontaminationsmassnahme weitgehend durch die Verabreichung von Aktivkohle abgelöst – doch auch hier sind wir heute mit unseren Empfehlungen zurückhaltender geworden. Stattdessen treffen wir differenzierte, evidenzbasierte Entscheidungen, bei denen Toxizitätsgrenzen klarer definiert sind und Interventionen gezielter und sicherer erfolgen.»
Früher konnte nach dem Verschlucken einiger unbekannter roter Beeren eine Magenspülung bei einem Kleinkind mitunter schwerere Komplikationen verursachen als die Beeren selbst.
Manche nennen es die «Toxfamilie». Die Tätigkeit ist anspruchsvoll, manchmal sehr belastend, oft komplex – und bleibt doch sinnstiftend. Nicht jeder Anruf ist dramatisch – manchmal zeigt sich der Alltag von seiner kuriosen Seite: Ein Diabetiker testete ein neues Injektionsgerät an einer Tomate, die später gegessen wurde. Schmunzelnde Entwarnung inklusive. Hinter jedem Anruf stehen Menschen.
Ines Nisoli fügt hinzu: «Inzwischen haben Generationen von Führungskräften und Mitarbeitenden die Existenz und den Betrieb von Tox Info Suisse weitergeführt und gesichert, ebenfalls mit sehr viel Überzeugung, Einsatz und Hingabe. Ihnen allen gebührt ein riesiges Dankeschön.»







