
Fakt: Frassspuren sind kein Prüfsiegel.
Tiere reagieren oft ganz anders auf Giftstoffe als Menschen. Was für eine Schnecke ein Festmahl ist, kann für uns tödlich enden.
Der grüne Knollenblätterpilz (Amanita phalloides) wird durchaus von Schnecken angeknabbert. Die darin enthaltenen Amatoxine zerstören beim Menschen Leberzellen, den Schnecken scheinen sie nicht viel anzuhaben.

Fakt: Gerade die gefährlichsten Pilzgifte wirken häufig recht verzögert.
Nach dem Verzehr von giftigen Rauköpfen (Cortinarius orellanus und rubellus) beispielsweise spürt man oft tagelang nichts – bis nach 2 bis 17 Tagen die Nieren versagen. Auch die Symptome des Knollenblätterpilzes setzen oft erst nach 6 bis 15 Stunden ein – manchmal sogar nach 24 Stunden.

Fakt: Schön wär’s. Leider werden nicht alle Toxine durch Kochen zersetzt und ungiftig gemacht.
Es stimmt zwar, dass einige Speisepilze erst durch ausreichendes Erhitzen gut verträglich werden. Deshalb empfiehlt die VAPKO (Vereinigung amtlicher Pilzkontrollorgane der Schweiz) auch, Pilze grundsätzlich nicht roh zu essen. Die wirklich fiesen Pilzgifte wie das Amatoxin sind jedoch extrem stabil und lassen sich weder durch Kochen, Braten, Trocknen, Einlegen noch Tieffrieren neutralisieren.

Fakt: Weder Höhenmeter noch die Baumgrenze schützen vor Vergiftungen.
In alten Pilzbüchern steht zwar oft, dass der Knollenblätterpilz (umgangssprachlich «Knolli») in alpinen Hochlagen fehlt. Doch mit der Klimaerwärmung breiten sich Bäume und Pilze zunehmend in höhere Lagen aus. Auch steckt das Amatoxin nicht nur im «Knolli», sondern auch in anderen Pilzarten wie Gifthäublingen (Galerina sp.) und Giftschirmlingen (Lepiota sp.).

Fakt: Unser Geschmackssinn hat keinen eingebauten Giftsensor.
Viele gefährliche Pilze schmecken mild, nussig und absolut köstlich. Zwar gilt bei bestimmten Arten – etwa gewissen Täublingen – die Faustregel, dass scharfe Exemplare ungeniessbar sind. Diese Regel lässt sich jedoch keinesfalls auf andere Pilzfamilien übertragen.
Auch Anrufer:innen mit Vergiftungssymptomen berichten oft, keinen auffälligen Geschmack bemerkt zu haben.
Fakt: Reines Wunschdenken. Chemisch und biologisch absolut unbrauchbarer Irrglaube.
Der Glaube, dass sich ein Silberlöffel im Kochtopf schwarz verfärbt oder Zwiebeln beim Mitkochen dunkel anlaufen, wenn ein Giftpilz im Spiel ist, hält sich hartnäckig, und das über Ländergrenzen hinweg. Einfache Tests mit chemischen Reaktionen zur Unterscheidung «giftig oder nicht giftig» existieren jedoch nicht.

